David Garrett – Die Geschichte eines „Wunderkindes“


David Bongartz erblickt als zweitältestes Kind der Eheleute Dove und Georg Bongartz am 4. September 1980 in Aachen das Licht der Welt und wächst in einer musikalischen Familie auf. Davids Vater ist Inhaber eines renommierten Geigen-Auktionshauses, passionierter Amateur-Geiger und Klassik-Liebhaber. Auch Davids Mutter hat als Ex-Primaballerina eine starke Verbindung zur klassischen Musik und so wachsen alle drei Kinder der Familie damit auf.

Es soll aber nicht nur beim Zuhören bleiben, alle Kinder lernen ein Instrument zu spielen. David ist vier Jahre alt, als sein zwei Jahre älterer Bruder Alexander anfängt Geige zu lernen. Wie unter Geschwistern üblich, will der Jüngere auch das neue "Spielzeug" des Älteren haben und so schnappt sich David Alexanders Geige und macht mit der Geige das nach, was er sich von seinem großen Bruder abgeschaut hat. Anfangs wird David dafür belächelt, aber er ist derart fasziniert von seinem neuen „Spielzeug“ und mit kindlicher Neugier und Leichtigkeit dabei, dass er rasend schnell die Stücke beherrscht, die eigentlich sein Bruder im Geigenunterricht lernen soll. Nicht nur Alexanders Geigenlehrer erkennt Davids Talent – auch Davids Eltern erkennen sofort die besondere Begabung ihres Sohnes für dieses Instrument. Sie beginnen David zu fördern und vor allem zu fordern, während Alexander gerne die Geige seinem kleinen Bruder überlässt und stattdessen lieber Klavier lernt.

Davids Vater übernimmt als passionierter Amateur-Geiger Davids erste Grundausbildung an der Geige und bringt ihm die grundlegenden Techniken bei. Wie steht man als Geiger richtig? Wie hält und führt man den Bogen? Wo setzt man die Finger auf die Saiten, um die richtigen Töne zu erzeugen? Er lässt David alle wichtigen Geigenschulen durchspielen und unterschiedlichste Übungen machen, sodass David bereits als 4-Jähriger täglich Geige übt. Mit 5 Jahren bekommt David in den von Aachen aus nahegelegenen Niederlanden den ersten Unterricht bei einem „richtigen“ Geigenlehrer. Ein Aufwand, der sich auszahlt: David erspielt sich mit 5 Jahren mit einer Beethoven-Romanze beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Platz und weckt damit hohe Erwartungshaltungen. Er tritt danach regelmäßig vor Publikum auf und ist gleichzeitig dem Unterricht seines Vaters schon längst entwachsen, ein neuer Lehrer muss also her …

Im Oktober 1989 tritt der russische Geiger und Violinpädagoge Prof. Zakhar Bron in Davids Leben. Prof. Bron unterrichtet am Lübecker Institut für schulbegleitende Musikausbildung und hat international einen hervorragenden Ruf. Zusätzlich erhält David in Lübeck auch noch Klavierunterricht durch die russische Pianistin Irina Vinogradova, um seine musikalische Ausbildung auch an einem Geigen-Harmonieinstrument abzurunden. In eine öffentliche Schule geht David nicht – Privatlehrer kümmern sich um seine schulische Ausbildung abseits der Musik. Gleichaltrige Freunde hat David deshalb keine; er ist umgeben von Erwachsenen, hat bereits mit 9 Jahren ein Management und ist immer höheren Erwartungen ausgesetzt. Noch liebt David sein Instrument und die Musik – ein wirklicher Weg zurück ist eh nicht mehr vorstellbar, ist er doch längst in Kenner-Kreisen - spätestens seit seinem ersten großen Auftritt mit Orchester in Bad Kissingen, bei dem er das Mozart Violin-Konzert in G-Dur spielt - als „das neue Wunderkind“ bekannt.

Als David 10 Jahre alt ist und bereits die ersten größeren öffentlichen Auftritte absolviert, beschließen seine Eltern, dass der Name Bongartz nicht „international“ genug klingt und in fremdsprachigen Ländern Probleme mit der Aussprache des Namens vorprogrammiert sind. Fortan tritt David Bongartz unter dem Mädchennamen seiner Mutter auf – der Name DAVID GARRETT ist geboren. Mit diesem Künstlernamen startet David erst so richtig durch und hat 1991 sein großes offizielles Konzertdebüt – er spielt in Hamburg Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen“ mit den Hamburger Philharmonikern unter dem Dirigenten Gerd Albrecht. Justus Frantz lädt David in seine TV-Sendung „Achtung Klassik!“ ein, für die er stolz extra von einem Kinderinstrument zu einer richtigen 4/4-Geige wechselt und in der er auch zum ersten Mal José Carreras begegnet – viele weitere TV-Auftritte folgen ebenso wie Konzertauftritte mit großen Orchestern wie z. B. den Londoner Philharmonikern, den Los Angeles Philharmonikern und dem Russischen Nationalorchester. Es bleibt also gar nicht aus, dass auch ältere Kollegen auf dieses junge Klassik-Talent aufmerksam werden.

So begegnet der 11-Jährige David der 64-Jährigen Violinistin Ida Haendel – sie nimmt ihn unter ihre Obhut und unterrichtet ihn sporadisch in London und Miami bis zu seinem 17. Lebensjahr. Jedoch sieht sie ihn nicht als Schüler im ursprünglichen Sinne sondern als Kollegen – eine außerordentliche Beziehung, die David nach eigener Aussage mit am meisten geprägt hat, ist Ida doch diejenige, die mit ihm über Musik spricht. Ida erklärt ihm, dass Musik eine Sprache ist und das Musik machen mehr sein muss als das Abspielen vom Notenblatt.
Mittlerweile haben auch etliche Dirigenten Davids Talent erkannt – die bedeutendste Begegnung ist wohl die mit Claudio Abbado, da David durch ein gemeinsames Projekt einen neuen Rekord aufstellt:
Eines der bekanntesten und wichtigsten Plattenlabels der Klassik, die  „Deutsche Grammophon“, bietet ihm einen exklusiven Plattenvertrag an. Als 13-Jähriger ist David damit der jüngste Solokünstler, der jemals für dieses Label verpflichtet wurde.
Eine weitere große Ehre wird dem 13-Jährigen zuteil, als er vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in dessen Amtssitz, die Bonner Villa Hammerschmidt, zu einem Konzert eingeladen wird – eine schicksalhafte Fügung, befindet sich doch unter den Gästen ein Vertreter der Talbot-Stiftung, der von dem jungen Geiger so begeistert ist, dass er ihm ein ganz besonderes Instrument, welches sich im Besitz der Talbot-Stiftung befindet, als Leihgabe anbietet: Die „San Lorenzo“-Stradivari von 1710.

1994 Mozart - Violinkonzert

Davids CD-Debüt erscheint am 2. Oktober 1995 und widmet sich Beethovens Violinsonate Nr. 5 („Frühlingssonate“), Bachs Partita Nr. 2 für Solovioline und Mozarts Adagio für Violine und Klavier – Klavierpartner ist hier Alexander Markovich.


Nur 3 Wochen später schiebt die Plattenfirma direkt das nächste Album hinterher, welches sich mit dem Chamber Orchestra of Europe unter Claudio Abbado Mozarts Violinkonzerten Nr. 4 und 7 und der Violinsonate in B-Dur annimmt.
Die Kritiker sind „fassungslos“ wie ein so junger Geiger auf diesem Niveau spielen kann. Hätten sie es nicht besser gewusst, hätten sie angenommen, dass dort ein studierter, erfahrener Musiker spielt – restlose Begeisterung ist David damit sicher und er tourt daraufhin durch die ganze Welt.

Das Schicksal gönnt David noch eine weitere Begegnung mit einem anderen ehemaligen Wunderkind: 1997 begegnet er in Wien dem Violinisten und Dirigenten Yehudi Menuhin. Eine Woche lang erarbeiten beide Elgars Violinkonzert, welches Menuhin sogar unter Elgar als Dirigent selbst aufgenommen hat. Wie schon Ida Haendel behandelt Yehudi Menuhin David trotz seines jugendlichen Alters nicht wie einen Schüler sondern eher wie einen Kollegen auf gleicher Augenhöhe, was die Begegnung auch wieder zu einer prägenden Erfahrung für Davids weiteren Weg macht. Die Aufführung im Wiener Musikverein wird unter diesen Umständen ein voller Erfolg. Nicht nur die Kritiker sind wieder einmal begeistert, auch Yehudi Menuhin schwärmt von David als „größtem Violinisten seiner Generation“.

Die nächste Entscheidung, die die „Deutsche Grammophon“ und Davids Eltern für ihn fällen, gerät im Nachhinein zu einem Wendepunkt in seinem Leben.

Bei der Besprechung zur nächsten CD-Aufnahme schlägt sein Vater die Einspielung der 24 Paganini Capricen vor. Die Plattenfirma ist begeistert, geht sie doch davon aus, dass David das Material beherrscht – doch zu diesem Zeitpunkt kennt er gerade einmal 3 der 24 Capricen, hat keinen Geigen-Lehrer oder erfahrenen Geiger als Mentor an seiner Seite und nur knapp 2 Monate Zeit die Capricen zu lernen.

Anstatt aber auf diese Umstände hinzuweisen, verzichtet der 16-Jährige auf den eigentlich angebrachten Rückzieher und wandelt seine berechtigten Zweifel in pure Willenskraft und Besessenheit um. David übt Tag und Nacht – sucht und findet seine Grenzen und geht weit darüber hinaus bis sein Körper schließlich irgendwann nicht mehr mitmacht und rebelliert: Rücken- und Schulterprobleme in Form eines Bandscheibenvorfalls, der schließlich sogar so weit geht, dass David Probleme mit den Fingern bekommt, sind die Folge. Trotz dieser Handicaps liefert David bei der CD-Einspielung wieder eine Meisterleistung an der Seite des Pianisten Bruno Canino ab, so dass die CD wie geplant im April 1997 erscheint.

Die Kritiker sind wie immer begeistert, aber trotz der gesundheitlichen Probleme scheut sich David davor Termine abzusagen, um seine Eltern, die Plattenfirma und sein Publikum nicht zu enttäuschen, obwohl es ihm mittlerweile nicht mehr möglich ist, Geige zu spielen ohne dabei starke Schmerzen in der Schulter und in den Fingern zu haben. Anstatt sich in ärztliche Behandlung zu begeben, geht David weiter auf Tour und reist in der Welt umher.

 

So reist David u.a. im Rahmen der Feierlichkeiten zur 50-jährigen Unabhängigkeit Indiens 1997 mit den Münchner Philharmonikern unter dem Dirigenten Zubin Mehta als deutscher Beitrag nach Indien und gibt Konzerte in Delhi und Mumbai. Auch Zubin Mehta ist nach der Zusammenarbeit voll des Lobes für David und seine Geigenkünste.

Weitere Konzerte in Israel, Russland und Südamerika führen David einmal um den halben Globus – der 17-Jährige gibt bis zu 90 Konzerte im Jahr und übt wie ein Besessener bis zu 8 Stunden am Tag trotz Schmerzen. Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass der Teenager irgendwann zeitweise die Lust am Geige spielen verliert und die Liebe zur Geige auf der Strecke bleibt. Aber er macht dennoch weiter, um all den Erwartungen, die an ihn gestellt werden, gerecht zu werden.

Zusätzlich kommt jetzt noch die schulische Belastung hinzu – da David mittlerweile in die Oberstufe geht, ist die Zeit des Privatunterrichts vorbei und er geht in ein öffentliches Gymnasium, weil er ansonsten zu viel Stoff verpassen würde. An seiner Schule ist David der totale Außenseiter, hat er doch seine Klassenkameraden durch seine vielen Konzertreisen und den Privatunterricht nie wirklich kennengelernt. Hinzu kommt, dass er keine typischen Teenager-Hobbies hat: Davids einziges Hobby neben der Geige ist das Münzensammeln. Auch typische Freizeitaktivitäten für Jugendliche seines Alters muss er sich schon sein Leben lang verkneifen: Er spielt allerhöchstens mit seinem Bruder und dessen Freunden im Garten mal Fußball. Mehr würden ihm seine besorgten Eltern auch gar nicht erlauben, haben sie doch viel zu sehr Angst, dass David sich die Hände verletzen und nicht mehr Geige spielen könnte. Diese Sorge geht sogar so weit, dass er den Gameboy, den er sogar zweimal geschenkt bekommt, nicht behalten darf. Auch Computerspiele sind tabu, könnten doch Tastatur, Maus und Joystick ebenfalls die Hände überanstrengen, genau so wie Klassenfahrten z. B. ins Skilager aufgrund der erhöhten Unfallgefahr.

Der ganz normale Schulbesuch bringt David nicht nur den Kontakt zu Gleichaltrigen sondern auch Kontakt zu Musik, die er bis dato so noch nicht kennengelernt hat: Rock, Pop, HipHop, Metal. Von einem seiner neuen Schulfreunde bekommt er zum Geburtstag eine CD geschenkt: Queens „A night at the opera“ öffnet David ganz neue musikalische Horizonte,  denn dies ist seine erste nicht-klassische CD. Er ist erstaunt über den Stil von Queen, mischen sie doch teilweise klassische Elemente in ihre Songs – „Bohemian Rhapsody“ sei hier nur als ein Beispiel genannt. David beginnt abseits der Klassik eigene musikalische Vorlieben zu entwickeln und entdeckt damit auch auf seinem Instrumente neue Töne: Der erste CrossOver-Samen ist gesät.

 

1997 - Mendelssohn - Violinkonzert
Movement 1
Movement 2
Movement 3

 

Einstiges „Wunderkind“ in der Identitätskrise

Nachdem David sein Abitur mit in der Tasche hat, steht er wie jeder junge Erwachsene vor der Frage: Wie geht es weiter? Ausbildung, Beruf, Studium oder einfach weiter wie bisher mit der Geige?
David hat mittlerweile Zweifel daran, ob er überhaupt weiterhin Berufsmusiker mit allen Konsequenzen sein/werden will, kennt er doch mittlerweile dank seiner Freunde aus der Schule auch ein anderes Leben. Durch sie ist ihm bewusst geworden, wie sehr er eigentlich in einem „Goldenen Käfig“ gefangen ist und welche hohen Erwartungshaltungen an ihn gestellt werden. Er kann trotz seiner Volljährigkeit nicht über sein eigenes Leben entscheiden und der hohe Erwartungsdruck nimmt ihm die Freude am Geige spielen, zusätzlich zu den nach wie vor vorhandenen gesundheitlichen Problemen.

David beschließt, erst einmal Abstand von seinem bisherigen Leben zu nehmen und entscheidet sich dafür ein Musikstudium anzutreten, um zu prüfen, ob er überhaupt weiterhin bei der Musik bleiben will. Am liebsten will er seinem großen Bruder Alexander, der mittlerweile in Boston/USA an der Harvard Universität Jura studiert, ins „Exil“ folgen und an der New Yorker Juilliard School studieren. Als er seinen Eltern davon erzählt, sind sie entsetzt. Sie können nicht verstehen, warum David überhaupt Musik studieren will, da er ja bereits eine erfolgreiche Karriere als Musiker vorzuweisen hat. Sie entscheiden sich schließlich jedoch für einen Kompromissvorschlag: Musikstudium ja, aber New York nein. Da David noch vertraglich zu einigen Konzerten und CD-Einspielungen verpflichtet ist, entscheiden seine Eltern, dass die Royal School of Music in London/England unter diesen Umständen die beste Wahl ist.

David schreibt sich am Royal College of Music ein, zieht nach London und beginnt sein Studium, das er jedoch nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit betreibt. Der Unterrichtsstoff der ersten Semester beginnt ihn zu langweilen und er schwänzt etliche Stunden. Er hat einfach vorerst generell genug von der Geige und der Musik und bewirbt sich sogar an anderen Universitäten, um etwas vollkommen anderes als Musik zu studieren.

Statt seinem Musikstudium widmet sich David erst einmal dem Londoner Nachtleben, entdeckt mit seinen neuen Londoner Freunden die Clubszene und genießt dort die unterschiedlichen Stile der Popmusik. Zum Geige spielen muss er sich regelrecht aufraffen; da er aber noch bereits vereinbarte Konzerte zu absolvieren hat, bleibt ihm nichts anderes übrig – sehr zur „Freude“ seiner Nachbarn, die sich über diese lauten und für sie nervigen Konzertvorbereitungen beschweren. Davids Pflichtbewusstsein bringt ihn deshalb dazu, eine unkonventionellen Lösung dafür zu finden und so nutzt er in der Nacht Räume des Royal College. Dies ist allerdings eigentlich nicht erlaubt und die Schulleitung nimmt dies zusammen mit den aufgelaufenen Fehlstunden zum Anlaß, David zum Abbruch des Studiums zu bewegen.

Ein weiteres einschneidendes Ereignis in London ist der Tod eines Freundes, der David endgültig wachrüttelt und ihm klar wird, was er eigentlich will: Geige spielen und Musik machen und zwar so wie er es will. Die Fortsetzung seines Studiums in London ist ihm versperrt und der Weg zurück nach Aachen kommt für ihn nicht in Frage…

David Garrett Royal College of Music

Stattdessen kehrt David zu seinem ursprünglichen Plan zurück: Er will nach New York – aber wie? Er beschließt jemanden, um Rat zu fragen, der ihm vor Jahren seine Mail-Adresse mit den Worten „Wenn du mal Rat brauchst, melde dich“ gegeben hat: Itzhak Perlman, weltbekannter Violinist, der aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, den „Wunderkind“-Stempel aufgedrückt zu bekommen und wie schwer es ist diesen wieder loszuwerden. Seine Antwort ist überraschend einfach: „Geh nach New York – und wenn du schon mal da bist, kannst du dich gleich an der Juilliard School einschreiben. Ich habe dort gerade eine Stelle als Lehrer angenommen und du bist gerne in meiner Meisterklasse gesehen. Es gibt aber kein Drumherum-Kommen ums normale Bewerbungsverfahren für dich!“
David sagt natürlich sofort zu und fliegt in die USA. Seinen Eltern erzählt er, dass er dort seinen Bruder Alexander in Boston besucht – David besucht ihn zwar auch wirklich, macht sich aber von Boston aus auf nach New York, um dort die Aufnahmeprüfung für die Juilliard School anzutreten. Er fährt im schwersten Schneesturm des Winters mit dem Bus von Boston nach New York und kommt beinahe zu spät: 5 Minuten vor seinem Prüfungstermin springt David aus dem Taxi und muss sich, ohne sich einzuspielen, der Prüfungskommission stellen. Trotz der widrigen Umstände besteht er den Test mit Bravour und ist an der Juilliard School und in der Meisterklasse von Itzhak Perlman angenommen.
Davids Traum vom Studium in New York ist also in greifbarer Nähe – aber wie soll er das daheim erzählen? Seine Eltern werden jedoch schnell mit der Realität konfrontiert als die Annahmebestätigung der Juilliard School im Briefkasten liegt. Sie sind schockiert, hatte David  doch schon die Möglichkeit des Studiums in London. Und jetzt New York für das gleiche Studium, das er ja bereits abgebrochen hat? Sie versuchen ihn umzustimmen, hat er doch bereits eine Karriere, einen guten Ruf und einen Plattenvertrag und raten ihm, sich lieber darauf konzentrieren, als seine Zeit mit einem Studium zu verschwenden. Doch an Davids Entschluss gibt es nichts mehr zu rütteln und zum allerersten Mal im seinem Leben trifft er eine eigene Entscheidung und stellt sich damit gegen alle elterlichen Ratschläge: Er kündigt die Verträge mit Management, Agenten und Plattenfirma und sagt alle Konzerte ab. Seine Eltern sind enttäuscht und versagen David daraufhin die finanzielle Unterstützung für das Studium – aber auch das kann ihn nicht mehr umstimmen.
David wagt mit 19 Jahren den Schritt in die Freiheit und tritt die Flucht nach vorn an: Auf geht’s in ein neues Leben, auf geht’s nach New York!

David Garrett

New York, New York

Davids neue Schule, die Juilliard School, wurde 1905 mit dem Ziel gegründet, für den Fortschritt der Musik in den USA zu sorgen und gehört mit dem Curtis Institute  in Chicago zu den wichtigsten Musikkonservatorien der USA. Die Juilliard hat ihren Sitz im Lincoln Center in New York City und bietet neben der Musik noch zwei weitere Divisionen, nämlich Schauspiel und Tanz. Die Aufnahmeprüfung ist eine der schwierigsten überhaupt und die Studienkosten sind auch nicht gerade gering, aber definitiv eine Investition in die Zukunft. Zahlreiche Absolventen sind international bekannte Künstler: Robin Williams (Schauspieler), Kevin Kline (Schauspieler), Miles Davis (Jazz-Trompeter), Nigel Kennedy (Violinist), Barry Manilow (Entertainer/Sänger), Wynton Marsalis (Jazz-Trompeter), Nina Simone (Sängerin), John Williams (Filmmusik-Komponist), u.v.m.
Auch Itzhak Perlman ist Absolvent der Juilliard School und sucht sich jetzt als Dozent seine Studenten ganz genau aus. Normalerweise betreut ein Dozent an der Juilliard zwischen 40 und 50  Studenten – Itzhak Perlman unterrichtet aufgrund seines großen Bekanntheitsgrades gerade einmal drei oder vier Studenten … und David ist einer von ihnen und ist darauf zu recht auch mächtig stolz! David hat noch zusätzlich das „Glück“, dass Itzhak Perlman in Davids erster Unterrichtszeit aufgrund einer Schulterverletzung keine Konzerte geben und nicht reisen kann – Pech für Mr. Perlman, Glück für David, denn unter diesen Umständen kann sich Itzhak Perlmann ausführlich und intensiv seinen Schülern widmen und gibt mehr Unterricht als sonst. David und seinen Lehrer verbindet schnell eine ganz besondere Lehrer-Schüler-Beziehung, befindet sich David dank seiner bisherigen Karriere musikalisch gesehen auf einem anderen Niveau als seine Kommilitonen. Er muss David nicht das Spielen auf dem Instrument „erklären“, denn die technischen Fähigkeiten sind bei David mehr als ausgereift. Und dennoch gibt es einige Dinge zu korrigieren: Itzhak Perlman weist David auf seine falsche Haltung beim Spielen hin, welche neben der Überanstrengung wohl mit zu seinem Bandscheibenvorfall geführt hat. Durch die fachkundigen Hände eines Arztes können dann endlich, nach Jahren der Schmerzen beim Spielen, Davids Einschränkungen beseitigt werden. Auf Anraten des Arztes und seines Lehrmeisters fängt David an, Sport zu treiben, um seine Rücken-, Schulter- und Nackenmuskulatur zu stärken und somit weiteren Bandscheibenproblemen vorzubeugen.

David studiert an der Juilliard Kompositionslehre und Musiktheorie und bekommt hier nun endlich das von ihm gewünschte tiefgehende Wissen über die inneren Strukturen der Musik vermittelt. Er lernt zu analysieren und wirklich zu verstehen, was er spielt. Er durchläuft wie jeder andere Student auch Rhythmusübungen und Gehörbildungs-Training und seine Fortschritte werden nach Jahren ohne Lehrer wieder regelmäßig kontrolliert. Mit Feuereifer und der Ernsthaftigkeit, die im Londoner Studium gefehlt hat, stürzt sich David voller Begeisterung in sein Studium. Er beginnt die Welt der Musik neu für sich zu entdecken und es kommt ihm teilweise vor als hätte er noch nie Musik wirklich gehört. Er ist begierig darauf zu lernen und nach gut einem Jahr an der Juilliard, in dem er seine Geige nur ca. 30 Minuten am Tag aus dem Kasten geholt hat, damit er nicht völlig einrostet, erwacht in ihm endlich wieder die Leidenschaft für die Musik und das Bedürfnis, sich erneut intensiv mit der Geige auseinanderzusetzen. Er hat wieder so viel Spaß an der Musik wie zuletzt in frühen Kindertagen und verspürt nach Jahren wieder die Lust, eigene Musik zu komponieren … und dieses Mal nicht nur Kadenzen zu einem Mozartviolinkonzert, sondern komplett eigene Stücke. Als David vom Kompositionswettbewerb an der Juilliard erfährt, nimmt er mit einer eigens komponierten Fuge im Stil seines Vorbildes Johann Sebastian Bach teil – er kann sämtliche Kommilitonen ausstechen und gewinnt tatsächlich den Wettbewerb.

David Garrett Julliard School New York

Doch nicht alles in New York fällt David so einfach wie sein Studium. Er steht zum allerersten Mal im Leben auf eigenen Beinen: Er kann nicht kochen, nicht Wäsche waschen und hat nicht einmal ein eigenes Bankkonto. Hinzu kommen jetzt noch die Studiengebühren mit über 30.000€ pro Jahr, ganz abgesehen vom sonstigen Lebensunterhalt. Es muß also dringend Geld und ein Job her. Konzerte geben mag er während der Anfangszeit seines Studiums nicht, zumal unentschuldigte Fehltage die Exmatrikulation bedeuten würden. Also nimmt er die unterschiedlichsten Jobs an, die ihn oft bis in die Nacht in Anspruch nehmen: Er arbeitet als Barkeeper, Kellner, in der Bibliothek, Klamottenverkäufer, Milchaufschäumer im Coffee-Shop und er putzt sogar die Toiletten in einem Parkhaus für 6,50 $ pro Stunde. Er schuftet hart, genießt aber dennoch das Leben und seine Freiheit in vollen Zügen.

Von all dem bekommen Publikum und Kritiker nichts mit. Natürlich wissen sie auch nicht, dass David seiner alten Plattenfirma „Deutsche Grammophon“ trotz Kündigung der Verträge noch 2 Alben schuldet. Umso verwunderter sind sie dann im Oktober 2001 als ein neues Album von David erscheint. Bereits mit 17 hatte er mit dem Russischen Nationalorchester unter Mikhail Pletnev das Tschaikowsky- und das Conus-Violinkonzert in Moskau aufgenommen. Obwohl er damals schon mit sich und seiner evtl. Zukunft haderte, ist die Einspielung leidenschaftlich und insgesamt erstklassig geraten, darin sind sich alle Kritiker einig. Mit Erstaunen nehmen einige von ihnen jedoch das von der Plattenfirma auf dem Cover neu kreierte Image wahr: aus dem Wunderkind von einst scheint ein erwachsener junger Mann geworden zu sein. Jedoch erregt das Album trotz guter Kritiken beim Publikum nicht das gewünschte Aufsehen. Auch das nächste und damit letzte Album bei der „Deutschen Grammophon“ im Dezember 2002 bekommt nicht mehr so viel Aufmerksamkeit wie erwartet – zumal es sich hierbei auch nicht um neues Material handelt sondern lediglich um eine Werkschau mit Titeln aus den bisherigen Alben. Aber damit hat David seine Pflichten gegenüber seiner ehemaligen Plattenfirma endlich erfüllt und kann sich ganz neuen Dingen widmen…

David Garret Conus Violinkonzert

David Garrett Pure Classics

Und genau das tut er auch. New York, das Studium, das normale Alltagsleben und neue Freunde haben David verändert. Er holt als junger Erwachsener das nach, was andere in ihrer Teenagerzeit hinter sich gebracht haben. Er experimentiert mit Klamotten, Haaren, lässt sich mehrere Tattoos stechen, tauscht Brille gegen Kontaktlinsen und durchläuft unterschiedlichste Style-Phasen: Mal schwarzgefärbte Haare, Piercings und Gothic, dann wieder in Richtung HipHop und zum Heavy Metal. Mit seinen Kommilitonen und Freunden zieht er am Wochenende durch die Clubs der jeweiligen Szenen und entdeckt dort auch immer wieder neue Musikrichtungen für sich. Er fängt an auf der Geige zu experimentieren und seine Lieblingsstücke aus den Clubs zu begleiten und nachzuspielen. Er „jammt“ mit den Jazz-Kommilitonen aus der Juilliard School und lernt das Improvisieren. Er übt sich in allen möglichen Musikstilen, entdeckt unter ihnen Gemeinsamkeiten und fängt an sie miteinander zu verbinden, schließlich haben auch viele Popmusiker bei der Klassik „abgeguckt“.

Was durch diese „Verbindung“ möglich ist, wird David erst richtig bewußt im Winter 2002. Die Veranstalter der „Night of the Proms“-Reihe laden das ehemalige Geigenwunderkind ein bei der Tournee mit dabei zu sein. Bei den „Night of the Proms“-Konzerten trifft Rock auf Klassik, d. h. Rock- & Pop-Stücke werden mit einem klassischen Arrangement „veredelt“ und von einem Orchester live auf der Bühne gespielt wird, zusammen mit den jeweils eingeladenen Rock-/Pop-Stars. Daneben sind aber ebenfalls rein klassische Stücke nur mit Orchester zu hören und erfreuen sich beim Publikum ebenfalls größter Beliebtheit. Bis zu 500.000 Menschen sehen während einer Tournee durch Europa die „Night of the Proms“-Konzerte. David ist von dem Konzept begeistert und sagt direkt zu, schließlich kann er sich dem Publikum als gereifter Musiker präsentieren und seine neu angeschaffte Geige von Giovanni Battista Guadagnini von 1772 finanzieren.

David Garrett Nokia Night of the Proms 2002

Auf zu neuen Ufern

Und so geht David mit Bands wie Simple Minds, Alphaville und John Miles auf Europa-Tournee und tritt vor insgesamt ca. 600.000 Konzertbesuchern auf. Seinen ersten Auftritt während der Show hat er als Begleitung von John Miles, der „Everybody’s got to learn sometime“ von den Korgis singt. David umspielt die Melodie improvisatorisch, wie er es von seinen Jazz-Kommilitonen gelernt hat und gibt dem Lied damit noch einmal eine intensivere Note. Das Publikum ist restlos begeistert und spendet nach seinen Parts immer wieder Zwischenapplaus. Das nächste Musikstück des Abends gehört ganz David, nachdem der Moderator die Bühne nach entsprechender Ankündigung freigegeben hat: Der 3. Satz des Beethoven Violinkonzertes gibt David die Möglichkeit zu glänzen und auch hier gibt es nach seinen Solopassagen immer wieder Zwischenapplaus. David spielt merklich befreit auf, ganz ohne Druck steht er beseelt lächelnd auf der Bühne und hat sichtlich Spaß an der ganzen Sache. Auch nach der Showpause kann David mit seinen musikalischen Beiträgen wieder einmal begeistern: Saint-Saens „Danse macabre“ und Montis „Csardas“ reißen die Leute im Publikum von ihren Sitzen. Zum „Csardas“ wird sogar mitgeklatscht und als David zum Ende des Stücks hin beim Spielen auf die Knie geht, ist die Begeisterung für seine Darbietung grenzenlos. Krönender Abschluss des Abends ist der gemeinsame Auftritt aller teilnehmenden Musiker zu „Let it be“ von den Beatles – auch hier wieder tosender Applaus. Aber nicht nur das Publikum ist begeistert, auch die Medien entdecken das verschollen geglaubte ehemalige Wunderkind wieder und loben Davids Auftritt in den höchsten Tönen. Die Medien sind geradezu verblüfft über den Imagewechsel von David: er trägt keinen feinen klassischen Konzertzwirn mehr sondern zerrissene Jeans, Turnschuhe, Streifenhemd und eine Wollmütze auf dem Kopf. Locker, lässig und leger fühlt sich David sichtlich wohl auf der Bühne; vergessen ist das gequälte Lächeln mit zusammengepressten Lippen aus Teenagerzeiten. Keine Frage: New York hat den jungen Mann sehr verändert, innerlich wie äußerlich.
Gerade die äußerliche Veränderung verschafft David zurück in New York einen weiteren lukrativen Nebenjob: Er wird bei einer Party von einem Modelscout angesprochen und gefragt, ob er sich vorstellen könnte als Model zu arbeiten. David sagt zu, kennt ihn hier fernab der deutschen Heimat doch niemand als Geiger, ehemaligen Kinderstar und jetzigen Musikstudenten. Hier in New York ist er halt einfach nur ein weiterer gut aussehender junger Kerl, der auf Laufstegen oder vor der Fotokamera die neueste Mode präsentiert. In jedem Fall hat er eine Menge Spaß in seinem neuen Nebenjob, lernt neue Freunde kennen und bekommt eine gehörige Portion Anerkennung, als er z. B. bei der Fashion Week für renommierte Labels über den Laufsteg geht. Außerdem stellt er fest, dass die Modewelt wohl die abgedrehtesten Partys feiert, die dann auch mal damit enden, dass am Broadway wilde Scherze getrieben werden. Dieses „wilde“ Leben führt David natürlich nicht dauernd, dafür liegt ihm sein Studium viel zu sehr am Herzen. Unter der Woche wird diszipliniert gearbeitet, damit er sein Pensum schafft und ihm nicht das gleiche Schicksal wie in London droht.

Night of the Proms 2002:


John Miles "Everybody got to learn sometime" mit David

Beethoven - Rondo Violinkonzert

Saint-Saens - Danse macabre

Interview mit David und
Monti - Csárdás

Inspiriert durch seine „Night of the Proms“-Erfahrungen und die musikalischen Einflüsse seines Freundeskreises reift in David immer mehr der Gedanke, die Klassik mit Pop-/Rock-Musik zu mixen. Er spürt die musikalische Herausforderung, aber auch die Herausforderung ein neues, junges Publikum für die Klassik zu begeistern. Er denkt an die Altersstruktur seines damaligen Klassikpublikums zurück – Altersgenossen konnte er dort im Publikum keine erblicken. Er erkennt aber auch aufgrund seiner „Proms“-Erfahrung, dass es möglich ist, junge Leute für Klassik zu begeistern, wenn das Ambiente locker und leger gehalten wird – also ganz im Gegensatz zum ernsten und steifen Ambiente eines „normalen“ Klassikkonzertes.
Mit diesen Vorstellungen steht also das Cross-Over-Rohkonzept wie sich David seine Konzerte demnächst vorstellt: Er möchte in einer aufgelockerten Atmosphäre Klassik spielen und zusätzlich auch Rock und Pop in ein klassisches Gewand bringen. Er will seinen Spaß und seine Freude an der Musik auch seinem Publikum vermitteln will. Er hat damit nicht nur ein Konzept für seinen Karriereneustart sondern auch direkt eine passende Arbeitsmotivation gefunden, um sich als Künstler wieder beweisen zu können. Vorerst muss er sich aber noch um die Abschlussprüfungen kümmern, die er 2004 schließlich alle besteht und sein Studium an der Juilliard mit Auszeichnung abschließt. Seinen Traum vom Studium in New York hat er sich also schon erfüllen können und nimmt hochmotiviert sein nächstes Ziel in Angriff ….

David Garrett Abschluss Juilliard School New York

Die zweite Karriere starten – aber wie?

David plant also eine zweite Musikerkarriere – nur dieses Mal nach seinen eigenen Vorstellungen, die nicht mehr der Karriere aus Wunderkindtagen entsprechen. Relativ schnell muss David aber ernüchternd feststellen, dass die Musikwelt nicht auf ihn gewartet hat, während er in New York studiert hat. Er hat jetzt zwar einen Abschluss von einer der renommiertesten Musikschulen der Welt in der Tasche, aber dafür schon seit Jahren keinen Plattenvertrag mehr und der Wunderkind-Bonus bringt ihn nicht weiter. Alle Konzertveranstalter bei denen er mit seinem Cross-Over-Konzept vorstellig wird, kann er damit nicht begeistern. Doch David lässt sich nicht beirren und macht weiter, stellt sich immer weiter bei kleineren Agenturen vor, während er auf Privatveranstaltungen vor nur wenigen Leuten spielt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen … immer in der Hoffnung, dass unter den Gästen jemand aus der Musikbranche dabei ist …

Dank seiner Beharrlichkeit landet David auf Umwegen beim Londoner Plattenlabel „Decca“, das er letztendlich davon überzeugen kann, die Produktion seines Cross-Over-Albums zu übernehmen. Die Begeisterung für das Cross-Over-Konzept teilt man seitens der Plattenfirma allerdings nur wenig, während David weiterhin Feuer und Flamme für sein Projekt ist. David wird sogar unmissverständlich klar gemacht, dass das Label nicht an sein Konzept glaubt. Das Album wird deshalb zwar eingespielt, landet aber erst einmal in der Schublade der Plattenfirma und wird vorerst nicht veröffentlicht.

David bleibt also nichts anderes übrig, als weiterhin auf Konzerte mit eher kleinem Charakter zu setzen. Allmählich hat sich aber rumgesprochen, dass Davids Konzerte etwas Besonderes sind und die Mundpropaganda des begeisterten Publikums tut ihr übriges. 2006/7 werden Davids Konzerttermine in den USA und vor allem in Asien immer zahlreicher und letztendlich bemerkt auch die Musikbranche den stetig steigenden Zulauf und Beliebtheitsgrad Davids. Eines Tages meldet sich der Berliner Konzertveranstalter DEAG bei David, nimmt ihn unter Vertrag und sorgt auch dafür, dass er bei Decca einen Exklusivvertrag erhält und das bereits eingespielte Album unter dem Titel „Free“ im März 2007 (allerdings nicht in Deutschland) veröffentlicht wird. Elf Stücke sind auf dem Album zu finden und bieten ein buntes Potpourri aus Klassikstücken, Soundtrackmelodien und Musicalnummern - auch 3 Eigenkompositionen von David haben es auf das Album geschafft. „Free“ wird zwar kein großer Charterfolg, gibt David aber die Möglichkeit sich mit seinem neuen Image als „attraktiver Klassikrebell“ zu präsentieren.
Die Stücke von „Free“ werden teilweise noch einmal überarbeitet eingespielt und die DEAG bringt im November 2007 mit diesen Stücken dann das Album „Virtuoso“ auf den deutschen Markt. Die DEAG schafft es für die CD-Promotion außerdem, David mehrere TV-Auftritte im deutschen Fernsehen zu ermöglichen, die seinen Bekanntheitsgrad weiter steigern.

David Garrett Free

 

David Garrett Virtuoso

 

Auftritt Dezember 2007
ARD | José Carreras Gala

Am 27. Dezember 2007 passiert David etwas, vor dem sich jeder Geiger fürchtet: Nach einem Konzert im Londoner Barbican Center packt er eilig seine Sachen zusammen, da er zum Essen mit seiner Familie verabredet ist. Es hat geregnet, die Ausgangstreppe am Barbican Center ist nass – dieser Umstand zusammen mit der Tatsache, dass David in der Eile seine Konzertschuhe einfach angelassen hat, werden ihm zum Verhängnis: Er rutscht auf der regennassen Treppe aus, fällt auf den Geigenkasten, den er auf dem Rücken trägt, und schliddert rücklings auf diesem die restliche Treppe herunter. Bis auf den Schock bleibt David körperlich unversehrt, was man allerdings von seiner Geige nicht behaupten kann. Beim Öffnen des Geigenkastens kommt das vorläufige Ausmaß des Schadens ans Licht: Die Decke der Geige hat mehrere deutliche Risse, sie ist in diesem Zustand nicht mehr spielbar. David selbst beschreibt diesen Moment später so: „It was like losing a friend.“

Aber auch dieser Schreckmoment kann David nicht aufhalten, dank vermehrter Medienpräsenz wird David immer bekannter; die Nachfrage nach seinen Konzerten steigt und steigt und das nur kurze Zeit, nachdem seine damalige Plattenfirma ihm eigentlich bescheinigt hatte, dass sein Cross-Over-Konzept nicht erfolgreich sein wird. Die DEAG hingegen kann sich freuen, da die Konzerte der Frühjahrstour 2008 in Deutschland alle restlos ausverkauft sind und wegen der großen Nachfrage sogar in noch größere Hallen verlegt werden müssen. Gleiches gilt auch für die Klassik-Konzerte von David, deren Altersstruktur sich bei den Zuschauern im Gegensatz zu seinen Konzerten von vor 10 Jahren doch stark verjüngt hat – sein Konzept durch Cross-Over junge Leute an die Klassik heranzuführen scheint trotz aller anderen Prophezeiungen aufzugehen. Seine Konzerte werden von Klassik-Puristen kritisch beäugt und in der Presse größtenteils nicht positiv rezensiert.
Entgegen aller Kritik ist David jedoch auch weiterhin als rein klassischer Musiker auf der Bühne vertreten: So spielt er z. B. Anfang des Jahres 2008 auf Einladung des Dirigenten mehrere Konzerte mit dem Israeli Chamber Orchestra, tritt bei den Classical Brit Awards auf, ist auf Recital-Tournee mit der Pianistin Milena Chernyavska und zum Verbier Festival in der Schweiz eingeladen.

München 2008 - O mio babbino caro

Classical Brit Awards 2008

Bazzini - Tanz der Kobolde 2008

Im Mai 2008 stellt David einen nicht ganz ernst gemeinten Rekord auf, auf den sich jedoch die Medien stürzen werden und ihn seitdem nicht nur als „bestaussehendsten“, sondern auch noch als „schnellsten Geiger der Welt“ betiteln, wohlwissend, dass dies für einen Violinisten keine Qualitätsaussage ist: Für eine Kindersendung im britischen Fernsehen stellt er sein Instrument, die Geige, vor und beweist wie schnell er darauf spielen kann. Er spielt den „Hummelflug“ von Rimsky-Korsakow in 66 Sekunden – der anwesende Offizielle vom Guinness-Buch bestätigt David noch während der Sendung seinen neuen Weltrekord! Im Dezember 2008 in der „Guinness World Records“-Show schafft es David seinen eigenen Weltrekord mit dem „Hummelflug“ sogar noch zu unterbieten. Er nimmt in den folgenden Jahren die ihm seitens der Medien verliehenen „Titel“ mit Humor, auch wenn er stets darauf hinweist, dass diese Rekorde aus Spaß aufgestellt wurden, verfolgen ihn diese in den Medien bis heute.

Im Jahr 2008 kommt fast niemand mehr an David vorbei; es gibt fast keine Talkshow, in der er nicht dabei ist und seine Vorstellung von Musik der Öffentlichkeit nahebringt. Er ist im „Kölner Treff“ dabei, bei „Johannes B. Kerner“, „Das!“, „3nach9“, „TV Total“ und „SternTV“ … um nur einige zu nennen.
Vom Männermagazin „GQ“ wird er sogar als „Mann des Jahres“ in der Kategorie „Musik“ ausgezeichnet; aber David kann sich noch über mehr Preise freuen: So bekommt er u. a. für sein musikalisches Engagement den Klassik-Echo in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ verliehen und hat während der TV-Sendung auch die Möglichkeit sich musikalisch zu präsentieren … und das nur wenige Tage bevor sein neues Album „Encore“ am 24. Oktober 2008 erscheint.

Ein erfolgreiches und ereignisreiches Jahr geht zu Ende und David fühlt sich sichtlich wohl mit dem, was er tut. Der Zuspruch und die Begeisterung der Fans geben ihm immer wieder Kraft weiterzumachen – und diese Kraft kann er gut gebrauchen, denn seine Karriere geht weiterhin steil nach oben, so wird er auch immer öfter als Geigenpartner für nicht rein-klassische Künstler angefragt. David arbeitet u. a. mit Olli Dietrich („Ich hab keine Tränen mehr“), Jonathan Ansell („Parla piu piano“ & „Se“), Lene Siel („You raise me up“ ) oder Hacken Lee („Paper Wedding“).

Blue Peter - Guinness World Record Mai 2008

Guinness World Records Dezember 2008

David mit Lene Siel - You raise me up 2008

 

Rockin‘ all over the world

Ein weiterer schlagkräftiger Beweis dafür, dass Davids Cross-Over-Konzept sehr gut funktioniert, ist seine restlos ausverkaufte Tour Anfang 2009. Am 14.01. bekommt er während des Konzertes im Berliner Tempodrom überraschend Besuch auf der Bühne: Seine Alben „Virtuoso“ und „Encore“ haben mit jeweils 100.000 verkauften Exemplaren Gold-Status erreicht und so bekommt David auf der Bühne gleich zwei Goldene Schallplatten überreicht. Die beiden Berliner Konzerte im Tempodrom werden auch aufgezeichnet und im September 2009 auf der DVD „Live in Private & in Concert“ veröffentlicht.

Wenige Tage darauf bringt er sogar ein ganzes Fußballstadion zum Toben: David ist musikalischer Gast bei der Eröffnung des Rhein-Neckar-Arena- Stadions beim Überraschungs-Aufsteiger-Verein TSG Hoffenheim und spielt natürlich auf der Geige (trotz klirrender Kälte) das „Torlied“ des Vereins … und erobert damit natürlich die Herzen der anwesenden Fußball-Fans im Sturm. Weitere „ungewöhnliche Auftritte“ hat David 2009 unter anderem bei einer Aida Schiffstaufe auf Mallorca oder auf Einladung der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Festakt „60 Jahre BRD“.

David arbeitet und konzertiert ohne größere Pausen, aber im Gegensatz zu seiner Kindheit und Jugend, wie er immer wieder betont, aus freien Stücken. Er hat seinen Weg gefunden und trifft seine eigenen Entscheidungen.

Davids Karriere steht weiterhin unter einem guten Stern und er plant sogar die USA mit seinem CrossOver-Konzept zu erobern. Das Album „Encore“ wird mit neuem Titel „David Garrett“ in den USA auf den Markt gebracht, eine mehrwöchige Tournee durch die USA folgt wenige Wochen später.

Eröffnung Rhein-Neckar-Stadion 2009/ab 4.50

 

Neben den weltweiten Konzerten findet David auch noch Zeit ein ganz neues Album einzuspielen. Dieses Mal soll es jedoch kein Cross-Over-Album werden, sondern ein reines Klassik-Album. „Classic Romance“ erscheint am 06. November 2009 und widmet sich hauptsächlich dem Mendelssohn Violinkonzert. David schafft damit das Unglaubliche: „Classic Romance“ als klassisches, rein instrumentales Album erklimmt Platz 4 der deutschen Albumcharts – ein unglaublicher Erfolg, der sich auch darin widerspiegelt, dass das Album knapp 2 Monate später bereits Gold-Status erreicht hat. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Album bei den Klassik-Echos im Oktober als „Bestseller des Jahres“ ausgezeichnet wird; ein Preis, der doch auch ein wenig Genugtuung mit sich bringt, ist David doch immer wieder vorgeworfen worden, dass er die Klassik vernachlässigen würde. Angesichts der Tatsache, dass David mindestens einmal im Jahr auf Recital-Tournee geht und auf Einladung unterschiedlichster Veranstalter und Orchester etliche reine Klassikkonzerte gibt und jedes Mal vor ausverkauften Häusern spielt, kann man sich über Aussagen, dass sein Konzept über Cross-Over ein neues Publikum in die Klassikkonzerte zu locken fehlgeschlagen ist, nur immer wieder wundern.

David kann sich vor Anfragen zu Medien- und Konzertterminen kaum noch retten. Er sitzt bei Günther Jauch in der Promi-Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ auf dem Rate-Stuhl; er ist Songpate beim Projekt „Dein Song“ des TV-Senders KiKa, bei dem Kinder ihre eigenen Songs mithilfe ihrer jeweiligen Songpaten produzieren können.

Seine Alben verkaufen sich wie die sprichwörtlichen „warmen Semmeln“ - „Virtuoso“ & „Encore“ erreichen Anfang 2010 sogar Platin-Status, d. h. 200.000 verkaufte Exemplare bei beiden Alben – für rein instrumentale Alben ein absoluter Rekord!

David als Songpate für Katharina KIKA 2009

Auf seinen Erfolgen ausruhen kommt für den bekennenden Workaholic allerdings nicht in Frage und David wird auch nicht müde immer wieder Neues auszuprobieren: er tritt im Frühjahr 2010 in der Schweiz bei der Sportveranstaltung „Art on Ice“ auf und begleitet die Eisläufer während ihrer Einsätze musikalisch; sowohl Sportler als auch Musiker haben sichtlich Spaß bei diesen Events.
Ebenfalls ein Konzert der besonderen Art ist das Benefizkonzert des Bundespräsidenten Christian Wulff zugunsten der Stiftung „Jedem Kind ein Instrument“. Für diesen Anlass und den guten Zweck der Stiftung verzichtet David, so wie die Orchestermusiker nebst Dirigenten, auf die Gage und tritt im September 2010 in der ausverkauften Kölner Philharmonie vor einem durchweg begeisterten Publikum auf. Am gleichen Tag erscheint auch sein neues Cross-Over-Album „Rock Symphonies“ sowie die DVD „Rock Symphonies - Open Air Live“, die einen Konzertmitschnitt aus der Berliner Wuhlheide im Juni 2010 zeigt. Die Tour zum Album führt David 2010/11 durch Deutschland, Österreich, Schweiz, USA, Skandinavien, Italien und England.
Auch klassisch werden seine Konzerte international immer stärker nachgefragt; er wird 2011 auch wieder zum Verbier Festival eingeladen und spielt mit seinem Recital-Partner, dem Pianisten Julien Quentin, sowie dem Festival Orchester zwei sehr gut besuchte Konzerte.

Davids nächstes Album ist dann schon wieder ein Klassisches – „Legacy“ erscheint am 04. November 2011 und widmet sich dem Beethoven Violinkonzert und diversen von Fritz Kreisler bearbeiteten Stücken. Wenige Tage nach  der Veröffentlichung des Albums erfüllt sich für den Fußball-Fan David ein Kindheitstraum: Er darf beim Fußball-Länderspiel Deutschland – Niederlande die Nationalhymnen spielen. Auch das Album „Legacy“ bekommt bei der nächsten Klassik-Echo-Verleihung im Jahr 2012 den Echo für den „Bestseller des Jahres“ und erreichte wie der klassische Vorgänger „Classic Romance“ innerhalb kürzester Zeit Gold-Status.

Art on Ice - Opening - Zürich 2010

Art on Ice - Zürich 2010

Bach - Sarabande (Zugabe)
Benefiz-Konzert Köln 2010

Verbier Festival 2011 - Auszug Beethoven Violinkonzert

Einblick Studioaufnahme für das Album "Legacy" 2011

Nationalhymnen für das Fußball-Länderspiel Deutschland- Niederlande 2011

Auch 2012 ist wieder ein arbeitsreiches Jahr für David: Er tourt mit seiner „Rock Anthems“-Tour durch die USA und Deutschland, ist auf Recital-Tournee mit Julien Quentin und wird zu diversen klassischen Gastspielen in der ganzen Welt eingeladen. Zusätzlich entsteht noch das neue Cross-Over-Album „Music!“, welches am 12. Oktober 2012 erscheint.

Daneben erfüllt sich in diesem Jahr auch ein weiterer Traum für David: Er ist im Sommer 2012 mit den Dreharbeiten zu seinem ersten und nach eigener Aussage auch einzigem Kinofilm, für dessen Filmmusik er ebenfalls verantwortlich ist, beschäftigt. In "The Devil’s Violinist“ geht es um das Leben des „Teufelsgeigers“ Niccolo Paganini, verkörpert von niemand anderem als David selbst. Gedreht wird der Film u.a. in Wien und in den Münchner Bavaria Film Studios unter der Regie von Bernard Rose. Für diese Filmrolle hat sich David die Haare dunkel gefärbt, um keine Perücke tragen zu müssen und er spielt die im Film enthaltenen Musikszenen direkt live vor der Kamera ein.

Im Herbst 2012 ist David wieder verstärkt im deutschen Fernsehen präsent, um das neue Album „Music!“ zu promoten, bevor am 09.11.2012 die neue Tour in Leipzig beginnt. David spielt wieder in den größten Hallen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz und bietet neben seinem perfekten Geigenspiel eine fulminate Show auf der Bühne. Am 28.11.2012 endet die grandiose Tour mit dem Konzert in Bremen.

Am 14.10.2012 erhält David einen weiteren Klassik-Echo für das Album "Legacy" als Bestseller des Jahres 2011. Ein weiterer Erfolg für David, den ihm seine zahlreichen Fans beschert haben, und die alle Kritiker Lügen strafen, dass ihn diese nicht mit klassischen Stücken hören wollen.

Zum Ende des Jahres 2012 widmet sich David verstärkt anderen Projekten neben der Musik, so wird er unter anderem Botschafter der "José-Carreras-Stiftung" und unterstützt die Kampagne "Ich-will-Europa". Zusätzlich präsentiert das Schmucklabel Thomas Sabo eine neue "Rebel-at-Heart"-Kollektion mit David als Testimonial. Seit vielen Jahren trägt David bereits Stücke aus dieser Kollektion, die nun erweitert wurde.

David spielt seit 2010 die Stradivari-Geige Ex A. Busch aus dem Jahr 1716.

© by david-garrett-support.info | research/script by Diana K. | proofreading/updates by Andrea K.

"The Devil's Violinist" - Preview

Katalogbeschreibung der Stradivari Ex A. Busch